jimi lebt!

(c) Marie Planeille

als jimi hendrix aus dem koma erwachte, lag er in einem tuareg-zelt im norden von mali. er wusste weder wo er war, noch wer er war. er kannte keinen der restlichen menschen im zelt. sie beachteten ihn nicht weiter, saßen rund um ein lagerfeuer, tranken tee und jammten auf gitarren und klatschten dazu. er hörte ihnen zu und verstand zunächst kein wort. nach und nach brachten sie ihm ihre sprache bei, irgendwann ließen sie ihn auch auf der gitarre spielen: und sie konnten kaum glauben, was sie dann zu hören kriegten. er wusste selbst nicht, wann und wo er so zu spielen gelernt hatte. es interessierte auch keinen. fortan spielte er mit ihnen – und irgendwann erklärte er ihnen, dass die gitarren durchaus interessant klingen würden, wenn sie elektrisch verstärkt werden. sie nannten sich tinariwen (was in ihrer sprache „wüsten“ heißt), nahmen eine platte auf und spielten ihr erstes großes konzert in mali beim „festival au desért“. gestern spielten sie in wien. es war furios. die wüste erstreckte sich bis ins WUK. der sand knirschte, wenn ich die zähne zusammenbiss. was ich vor allem tat, weil ich bis dahin nicht wusste, dass jimi lebt. sie lernten auch österreichisch: danke schön! das sagten sie immer wieder mal, nachdem sie eines ihrer stücke fertig gespielt hatten. sie ließen sich viel zeit dabei. oft begann ein einzelner musiker alleine mit einem lied und die anderen stimmten erst später mitein, oft klang es wie ein zwiegespräch, wie wenn einer spricht – und die wüste antwortet ihm. immer hatte ich den eindruck, dass der rhythmus ziemlich genau verschiedenen kamelgeschwindigkeiten entsprach: vom gemächlich wandernden kamel, zum trabenden bis zum galoppierenden… alles war zu hören, alles gabs zu sehen. ich verstehe jetzt, was es heißt, wennn von söhnen der wüste gesprochen wird…

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