Seinesgleichen geschieht.

In Wien wird ein Haus von mehr als 1000 Polizeibeamten geräumt. 19 Punks weigern sich auszuziehen, nachdem sie vom Besitzer der Immobilie eingeladen wurden, dort zu wohnen. Sie sollten dafür sorgen, dass sich die Altmieter angesichts der neuen Mitbewohner  dazu genötigt fühlen, ihre Position zu überdenken.

Nun kann das Dachgeschoß ausgebaut werden.

Kein rosten in der Stadthalle: Neil Young

So blieb es denn dabei, dass ich beim Hingehen Hey hey, my my,…  vor mich hinträllerte, da Herr Young es nicht in der Setlist hatte und mir damit verwehrt blieb, es im Original zu hören (und wovon Doc Holiday vor Jahren schwärmte). Was das Erlebnis allerdings nur geringfügig schmälerte…

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young gastierte mit seinen Crazy Horse in der Wiener Stadthalle, im Hintergrund zwei Backgroundsängerinnen, die den Wüterich zu besänftigen suchten. Gewütet wurde zuallererst mit Stromgitarren, dann folgte ein kurzes Akustikset im Alleingang mit Mundharmonika, wo Young den jungen Dylan und den young Young gab, um das ganze wiederum elektrisch zu beenden, mit dem programmatischen Who’s Gonna Stand up and Save the Earth. Schließlich a capella vor dem Publikum vorgetragen, Arm in Arm, selbiges ansprechend: You, you, you… nunja, darauf würde ich nicht setzen. Was wiederum vielleicht die verkrampften Mundwinkel erklärt: Wenn du ernsthaft Hippie sein willst, hast du in dieser Welt schlechte Karten. Da gibt es überall so viel, das im Argen liegt, da ist Schluss mit lustig und Gelache. Wenn Young an diesem Abend lächelt, dann sieht es eher nach Nostalgie aus, wenn er ein Riff anspielt und Poncho Sampedro begeistert zu nicken beginnt und auf Native American macht. Oder am Ende der Show, die Nachricht verkündet ist und kurz die Hoffnung besteht, dass damit vielleicht irgend etwas in Bewegung gesetzt werden kann – brennen, bis zum Schluss.

 

Slim Cessna’s Auto Club: Eine Lektion in Sachen Landleben –

…geben am Mittwoch im Chelsea die bierernsten Herren des Automobilclubs aus Denver. Mit Betonung auf Bier. Ob einer der Hunderten Mitmusizierenden Ernst heißt entzieht sich meiner Kenntnis und ist auch – richtig: wurst. Wichtig hingegen ist, dass die Herren einen Bastard von Country hegen und pflegen, der einem sofort die Tränen in die Augen treibt und die konsequenterweise nur mit Unmengen von Bier gestillt werden können.

Late in the dark time
I went creeping round the town
Into every pineboard shed
All their tools I did found

I put them in my vice grip
Turned them to the left and right
Returned them to their tool sheds
Straightened out this town with might

Begeisterungen im Arkadenhof und in der Krieau

Dr. John, Arkadenhof, 8. Juli 2014

Dr. John, Arkadenhof, 8. Juli 2014

Ein eher exzentrischer älterer Herr, namens Malcolm John Rebennack vulgo Dr. John, begeisterte am Dienstag zumindest manchen Musikkritiker. Meiner einer war ob des recht lustlos in die Tasten geworfenen Sets im Arkadenhof des Rathauses dann doch eher entgeistert. Insbesondere nach der mit Verve vorgetragenen Aufwärmung durch die fabulös und gut gelaunt dahin stampfende Preservation Hall Jazz Band. So stellt sich ein naiver Mensch wie ich New Orleans und Dixie vor: Jubilierend in den Abgrund. Nun, Dr. John war es an diesem Abend wohl eher angelegen, das Düstere von selbigem in Töne zu kleiden – mitunter aufgehellt durch eine fantastisch aufspielende Posaunistin.

Wogegen die Begeisterung in der Krieau sich bitten ließ: Trotz Selbstaufgabe der schweren Herren von Metallica, die sich ihr Programm vom Publikum diktieren ließen. Die Setlist entstand auf Grund eines Fan-Votings – By Request heißt konsequenterweise das Tourformat: Die Demokratisierung des Tourprogramms jubeln die einen, die Bankrotterklärung jedes künstlerischen Anspruchs lamentieren die anderen. Nicht unbegründet, angesichts dieser Mischung aus Bierzeltstimmung und Festival-Betriebsamkeit, wo sich irritierende Rituale von Männerfreundschaften konkretisieren (müssen?) und sich meiner einer fragte, ob sich die Geschichte von der Hirnblutung auf Grund zu heftigen Headbangens nicht vor seinen Augen wiederholte – umtost von einem von Sturmböen zerfledderten Best-of-Medley.

James Hetfield, (c) Robert NEWALD

James Hetfield, (c) Robert NEWALD

Wie auch immer – dem Vollhaareinsatz zum Trotz wollte der Funken nicht wirklich überspringen. Die Herren auf der Bühne solierten und guckten grimmig und angestrengt wie es dem Genre entspricht, das Publikum grüßte den Teufel, wie es sich Szene-typisch gehört, allerdings war es auch immer wieder damit beschäftigt das Geschehen zu filmen und fotografieren und also nicht recht bei der Sache. Erst gegen Ende der Show, wo der Sandmann kam und  nichts anderes mehr wichtig war, schien der Bann gebrochen: Inzwischen war es dunkel geworden in dieser Trostlosigkeit zwischen Glaspalästen, Architekturminimundus und ruinösen Tribünen, Windböen wischten den Sound immer wieder weg, sodass sich James Hetfields Mund auf den Videowalls zwar ausdrucksintensiv verzerrte, aber nur ein sanftes Nuscheln zu hören war. Die Riffs verweht, einzig das Schlagwerk hämmerte weiter, seines Sinns entleert. Ein bizarres Erlebnis, das seine trefflichste Charakterisierung durch James Hetfield selbst bekam: Geht es Euch gut? Ich möchte, dass Ihr mit einem Lächeln nach Haus geht.

Weiß der Herr, wovon er die meiste Zeit singt?