Song zum Tag: Daniel Johnston – True Love Will Find You in the End

Zerrieben zwischen Bünden, Landeschefs und Sozialpartnern – der Vizekanzler und Finanzminister der Republik wirft das Handtuch – ihm bleibt mit Daniel Johnston nur zu wünschen: True Love Will Find you in the End…

True love will find you in the end –
You’ll find out just who was your friend.
Don’t be sad, I know you will,
But don’t give up until –
True love will find you in the end.

Das Wetter wie es The National angemessen scheint…

Heute Abend in der Arena lässt sich bestens der Schwermütigkeit angesichts von gefakten Empires und überwältigender Depression frönen…

Turn the light out, say goodnight, no thinking for a little while –
Let’s not try to figure out everything at once
It’s hard to keep track of you falling through the sky
We’re half awake in a fake empire

Seinesgleichen geschieht.

In Wien wird ein Haus von mehr als 1000 Polizeibeamten geräumt. 19 Punks weigern sich auszuziehen, nachdem sie vom Besitzer der Immobilie eingeladen wurden, dort zu wohnen. Sie sollten dafür sorgen, dass sich die Altmieter angesichts der neuen Mitbewohner  dazu genötigt fühlen, ihre Position zu überdenken.

Nun kann das Dachgeschoß ausgebaut werden.

Kein rosten in der Stadthalle: Neil Young

So blieb es denn dabei, dass ich beim Hingehen Hey hey, my my,…  vor mich hinträllerte, da Herr Young es nicht in der Setlist hatte und mir damit verwehrt blieb, es im Original zu hören (und wovon Doc Holiday vor Jahren schwärmte). Was das Erlebnis allerdings nur geringfügig schmälerte…

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young gastierte mit seinen Crazy Horse in der Wiener Stadthalle, im Hintergrund zwei Backgroundsängerinnen, die den Wüterich zu besänftigen suchten. Gewütet wurde zuallererst mit Stromgitarren, dann folgte ein kurzes Akustikset im Alleingang mit Mundharmonika, wo Young den jungen Dylan und den young Young gab, um das ganze wiederum elektrisch zu beenden, mit dem programmatischen Who’s Gonna Stand up and Save the Earth. Schließlich a capella vor dem Publikum vorgetragen, Arm in Arm, selbiges ansprechend: You, you, you… nunja, darauf würde ich nicht setzen. Was wiederum vielleicht die verkrampften Mundwinkel erklärt: Wenn du ernsthaft Hippie sein willst, hast du in dieser Welt schlechte Karten. Da gibt es überall so viel, das im Argen liegt, da ist Schluss mit lustig und Gelache. Wenn Young an diesem Abend lächelt, dann sieht es eher nach Nostalgie aus, wenn er ein Riff anspielt und Poncho Sampedro begeistert zu nicken beginnt und auf Native American macht. Oder am Ende der Show, die Nachricht verkündet ist und kurz die Hoffnung besteht, dass damit vielleicht irgend etwas in Bewegung gesetzt werden kann – brennen, bis zum Schluss.

 

Best of 2013

Da es offenbar ein paar Menschen gibt, denen daran gelegen ist, meine Klugscheißerei betreffend das Musikschaffen in Form eines Rückblicks nach zu lesen, wohlan…

In Sachen Seelenmusik zu erwähnen ist konsequenterweise Charles Bradley, der beim kongenialen Daptone-Label seine neue Scheibe, Victim of Love, veröffentlichte. Und sie klingt: Alt. Demnach so, wie sie klingen soll – da der gute Mann einer der wiederentdeckten Altspatzen ist wie etwa die heilige Sharon Jones.

Ein jüngerer Mann, der allerdings schon im Vorjahr bei mir seine Erwähnung fand, ist Willis Earl Beal – damals mit der EP, der seinen ersten Longplayer vorlegte – Nobody knows, irgendwo zwischen Soul-Blues-Lo-Fi-und-sonst-was… Love it.

Ebenfalls konsequent zwischen den Stühlen bewegt sich Mister Lonnie Holley mit Keeping a Record of it. Weil es diesem Mann wahrscheinlich komplett wurst ist. Die Legende sagt, dass er als das siebte von 27 (!) Kindern geboren und für eine Flasche Whiskey verkauft wurde… Seine Musik ist irgendwo zwischen Gil Scott-Heron und Terry Callier anzusiedeln – muss ich noch mehr schreiben? Hört selbst…

Im Gitarrenfach haben heuer – wie schon 2010 – altbekannte Herren wie Arcade Fire (Reflektor) und The National (Trouble will Find me) wieder nachgelegt. Dass von My Bloody Valentine (m.b.v.) ebenfalls was Neues kam, ist selbstredend sensationell. Allerdings eher das Faktum als die Platte selbst. Alles hörenswert. Ganz zweifellos. Allein – diese Leute brauchen keine zusätzlichen Lobeshymnen. Eine solche möchte ich allerdings für Golden Gunn und deren gleichnamiges Album Golden Gunn anstimmen. Mike Taylor und Steve Gunn auf den Spuren von J.J. Cale, zwischen souligem Country und gezupfter Gitarre… ein Genuss!

Wo darüber hinaus jede/r mal rein gehört haben sollte, ist die fulminante neue Scheibe von Tim Hecker, namens Virgins. Klar, das hat mit Gitarre so viel zu tun wie Kühe mit Rad fahren. Aber wie schon letztes Jahr, sind auch heuer meine Prioritäten in dem Bereich eher im noisigen, abseitigen gelegen. Heckers Platte ist wohl am ehesten irgendwo in der Elektronik zu verstauen, gleich neben Fennesz. Oder so. Und es wird behauptet, dass der Horrorfilm schon in Arbeit ist, wozu Hecker den Soundtrack vorab lieferte…

Womit ich beim ländlichen Genre angekommen wäre, wo ebenfalls zwei große Namen ihrem Oeuvre Erweiterungen hinzugefügt haben: Bill Callahan zeigt mit Dream River einmal mehr, dass Fröhlichkeit keine Kategorie für gutes Songwriting darstellt, Tony Joe White, die Mutter des Swamp-Rocks, wiederersteht mit Hoodoo aufs Wesentliche reduziert… Was alles gut und schön ist, aber niemanden vom Hocker reißt. Das macht dann allerdings Daniel Romano. Das folgt der Logik im Soul. Altes neu bewerten – und hurtig in die Fußstapfen der Altvorderen gehüpft. Come Cry With Me kommt daher, wie Country immer schon daher kommen musste.

Immer schon… ein Gott in Sachen Country war Lee Hazlewood. Und da es zu einem Konzeptalbum von ihm, Trouble Is A Lonesome Town, von Frank Black (Pixies!) und Konsorten unter dem Namen Thriftstore Masterpiece eine ambitionierte Neuaufnahme gibt, darf das natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Hinzufügen möchte ich heuer noch zwei Platten. 1. Colin Stetson New history warfare vol. 3 – was schon einen Auftrag bedeutet. Sich nämlich ebenfalls mit den anderen beiden Teilen zu beschäftigen. Stetson, seines Zeichens gut beschäftigter Tour-Musiker für Bands wie Arcade Fire, The National, TV On the Radio etc. – ist ein großer Experimentator. Und die Alben bewegen sich irgendwo zwischen Jazz und Experiment und Minimal-Music. Hört da rein – ein großes Vergnügen!

Und 2. die wunderbare Kombo Brosd Koal rundum den bewundernswerten Schwamberger Karl, die mit Brosd Koal 1 ihr Debut zwischen Volksmusik und Country, Folk und Experiment vorlegten.