The Fried Okra Band, ab 21.00 Uhr im Local

Hinzuweisen ist mit absoluter Dringlichkeit – heute Abend wird wieder einmal bewiesen, dass die Südstaaten Amerikas kein geografischer Begriff sind, sondern vielmehr ein Gefühl, ein Gespür für das Leben, die bloße Existenz, in all ihrer Dringlichkeit – und Ärmlichkeit. Dafür bedanken wir uns einmal mehr, beim großartigen Herrn Loschy.

Gottfried David Gfrerer

Gottfried David Gfrerer @ das Bach

Froh sind wir darüber hinaus, dass Gottfried David Gfrerer, von der Karriere als hauptberuflicher Revolverschütze abgesehen hat und Gitarrist wurde. Es war ein Ereignis diesem Mann zu zu hören und jedem/jeder der/die sich das entgehen hat lassen, sei hiermit versichert: Sein/ihr Leben wird weniger reichhaltig sein, so das nicht nach geholt wird.

Herzerfrischend war dann ebenfalls noch, das Zusammenspiel mit den ambitionierten Ghost And the Machine.

Gottfried David Gfrerer + Ghost And the Machine

Gottfried David Gfrerer + Ghost And the Machine

Mit Daniel Romano weinen

Für einen Abend wurde aus dem Local, eingezwängt zwischen Gürtel-Brücke, U-Bahn und Straßenbahn, umtost vom Straßenverkehr und ausgeleuchtet in Gelblicht, ein Honky-Tonk somewhere in the middle of nowhere. Ein einsames Licht, umgeben von undurchdringlicher Nacht.

Eine Steele-Gitarre dringt anklagend nach draußen, eine Violine pinselt traurige Striche.

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Ein Mann besingt sein ewiges Unglück, wütet ob der beständigen Ungerechtigkeit, der auszuweichen er nicht imstande ist. Im Gegenteil, der Becher muss bis zur Neige ausgetrunken werden, was dem Kopf klar sein mag, macht für das Herz noch lange keinen Unterschied.

They say time can take the pain away, because time changes everything.
But time forgot to change my heart. Yes time forgot to change my heart.

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Und – wir weinten nicht, wir übten bloß eine neue Rolle.

I’m not crying over you,
I’m not crying over you,
you might think so, but you’re wrong
know that feeling’s dead and gone
there’s crying, but is just a role I’m working on.

Daniel Romano war dank Othmar Loschy in der Stadt, die Freundin seiner Schwester, die uns vorab mit melancholischen Liedern beglückte, bekam von Roman Sonnleitner Geburtstagsküchlein überreicht, die Rührung stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Nur der Steele-Gitarrist und die Bassistin, die verzogen keine Miene.

Molden Resetarits Soyka Wirth: Ho Rugg

Beileibe nicht und keinesfalls möchte ich die Wichtigkeit und Funktion der Herren Soyka und Wirth im Quartett mit Willhelm Resetarits und Ernst Molden herunter spielen, gar negieren.

(c) Wolfgang Zac

(c) Wolfgang Zac

Im Gegenteil, sie grundieren und bereiten die Atmosphäre für das Duo Resetarits/Molden, das immer mehr wie eine zeitgemäße Fortschreibung von Qualtinger/Heller wirkt – auf den Spuren des Wienerlieds die Verfasstheit des Ostösterreichischen dokumentiert, mit dem Gravitationszentrum Wien und Ausläufern bis zum Neusiedlersee über Kritzendorf bis hinein ins tiefste Waldviertel. Und eben jene Verfasstheit mit den Mitteln des Blues zu greifen versucht, sie fest schreibt in kleinen Gschichterln und Anekdoten, ihnen einen Korpus gibt in der Melancholie, jener zutiefst Wienerischen Befindlichkeit zwischen Glücklich- und Endlich-Sein.

Das Quartett präsentierte den neuen Tonträger im wunderschönen Stadtsaal, das Publikum war dankbar und gerührt. Eine Empfehlung: Ho Rugg.

Ho Rugg

Ho Rugg

Sodass die Funken nur so flogen im Café Stadtbahn…

Herr Neumeister gab sich mit Max Mayerhofer und Alex Gantz am Samstag die Ehre – und es war uns, dem Herrn Sonnleitner und meiner Wenigkeit, eine eben solche, die Herren retorten-mäßig nachzubereiten.

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Foto: Roman Sonnleitner

Sparkle Drive nennt sich das Allstar-Gitarren-Triumvirat  – wobei das gut gefüllte Stadtbahn dem Funkenflug durch die thematischen Höhen und Tiefen der Americana nur allzu gern zu folgen bereit war.  Und dass Andi Neumeister vor dem Abschlusslied fest hielt: I mog die Hittn – macht uns dann doch ein bisserl stolz, weil es unser Ansinnen bestätigt, das Café Stadtbahn zu einem allseits geschätzten Ort für die Verbreitung countryesken Liedguts mittels der Veranstaltungsreihe Über’s Land zu machen.

Dass Andi Neumeister ein Meister seines Fachs ist, ließe sich schon ob seines Namens vermuten. Dass die Frage nach der Disziplin seiner Meisterschaft kurzerhand mit Alkohol und Frauen beantwortet werden könnte, ließe möglicherweise Falsches vermuten. Nicht von einem allfälligen Lebenswandel soll die Rede sein, sondern von den Wurzeln US-amerikanischer Liedkunst, denen sich das Trio in recht unorthodoxer Besetzung widmet. Während Neumeister den Rhythmus vorgibt, das Terrain bereitet und also: erdet – sind Max Mayerhofer und Alex Gantz via Banjo, Steel- und E-Gitarre die Herrn und Meister der Atmosphäre. Sie geben der Präriesonne akustische Gestalt, lassen Windböen träge pfeifen, evozieren Stürme samt Donner, Blitz und Hagel – um ansatzlos wieder endloses Blau an den Präriehimmel zu färbeln. Und wie aus weiter Ferne hallt Neumeisters Bariton nach, auf der ewigen Suche nach der nie eintretenden Erlösung…

 

 

2/6 rhiz: delaney davidson


delaney davidson ist ein erlebnis – und war es am samstag. um etwa halb elf enterte er die bühne des – erstaunlicherweise – gerammelt vollen rhiz, begrüßte freundlich, in durchaus verständlichem deutsch das noch etwas verhaltene publikum, um es mit ein zwei liedern um den finger zu wickeln und sogar zum walzer tanzen zu verleiten. das muss dir erst mal gelingen. in wien. mit wienerInnen.

nun, der mann sieht recht harmlos aus in seinem vernudelten schwarzen anzug mit passender schmaler krawatte dazu – hat es allerdings faustdick hinter den ohren. da denkt man sich: was kann das schon können – einer allein, mit gitarre, altem reisekoffer mit aufklebern aus aller welt. aber dann… spielt er zuerst mal einen rhythmus ein, dann trommelt er sich den takt, dann gibt’s noch ein bissl mundharmonika zum drüber streuen – und je nach belieben, säuselt er im gefühlvollen bariton von tod und teufel oder lässt via 50s-mikro direkt den blues im rhiz ein ständchen halten… eine 5-leute combo hat großes vor, wenn sie eine ähnliche performance ins auge fasst.

ein großes danke ans rhiz und die veranstalter – und: many thanks mister delaney, wir freuen uns auf nächstes jahr – bis dahin wieder aus der dose. für alle am genre interessierten beispielsweise wieder am 16/6 im cafe stadtbahn, wo der herr kloepfer und ich wieder mal crosscountry machen werden. im wahrsten sinne des wortes…