Swans – am Freitag, 17. Oktober, in der Arena

2012 veröffentlichte Michael Gira mit den Swans nach längeren Jahren wieder eine Platte The Seer.

„The Seer took 30 years to make, it’s the culmination of every previous Swans album as well as any other music I’ve ever made.“

Seither wird die Welt wieder mit frohen Botschaften bespielt.

All the mountains are crumbling
All the canyons are thundering
All the people are fucking
They’re just a pile of writhing selfish bless.

Das Wetter wie es The National angemessen scheint…

Heute Abend in der Arena lässt sich bestens der Schwermütigkeit angesichts von gefakten Empires und überwältigender Depression frönen…

Turn the light out, say goodnight, no thinking for a little while –
Let’s not try to figure out everything at once
It’s hard to keep track of you falling through the sky
We’re half awake in a fake empire

full hit of sommer festival, arena, 20/6

Bild

foto by patrick muennich (thegap)

der vollständigkeit halber – mittwoch war ich beim tag 1 des full hit of summer festival in der arena. hauptgrund waren die two gallants, deren arbeit im gefolge von bright eyes wir letztjährig verpassten. auf grund eines regengusses, der wohl ausschließlich als schleusal bezeichnet werden kann. nun – auch heuer sollte die witterung eine durchaus bedeutende rolle spielen.

allerdings: zu spät kam ich diesjährig nicht. im gegenteil – ich durfte auch M185 lauschen, den jungen österreichischen noise-rockern, die 2012 den amadeus award abräumten. solide und gefällig arbeiteten sie sich durchs noch recht junge oeuvre, das publikum war noch eher im sommerlichen ruhemodus, sodass einzelne euphorieschreie mit einem danke von der bühne beantwortet wurden.

dann die two gallants: connor oberst bezeichnete sie als „fuckin weirdos“ – meinetwegen. allerdings würde ich dem noch hinzu fügen, dass die beiden nicht unbedingt rampensäue sind. sie prügelten sich zwar recht anständig durch ihre interpretation von bluesrock, dabei schien es jedoch herzlich wurscht, ob vor der bühne auch menschen sind. und dass selbige eventuell zu adressieren wären. schade.

dann also der haupt-act: the eagles of death metal. man könnte sie als das komplette gegenteil von den two gallants sehen. was jene an ignoranz dem publikum gegenüber zeigten, überkorrigierten die eagles. eine showtruppe mit show-schweinerock in der atavistischsten form. grunz. leider war das dann so langweilig, dass ich mich mit twitter zu vergnügen begann… und dann – wie angekündigt – verdüsterte sich der himmel und öffnete schleusal die schleusen. weswegen ich mich blitzschnell via roller heimwegs verzog und auf die phänomenalen händeklatscher (the phenomenal handclap band) verzichtete (hat die jemand gesehen? wie war das?).

mit glänzenden augen…

erwähnt werden muss vorab und unumwunden: nein, im grunde wollte ich mir bright eyes nicht angucken – die gräfin allerdings schon. das ausschlaggebende argument für den gestrigen besuch in der arena war demnach: auch two gallants gaben wien die ehre – und um die beiden „fuckin‘ weirdos aus san francisco“ (so oder so ähnlich bezeichnete connor oberst seine tourgefährten) zu sehen, willigte ich schließlich ein (puhhh)… und prompt brauchte der handwerkliche besuch tagsüber ein stückl länger, sodass die gräfin und ich erst gegen 18.00 uhr gen erdberg aufbrachen. wo wir da ankamen und ich mutwillig beschloss, noch eine ehrenrunde auf irgendeiner dieser vollkommen desorientierenden stadtautobahnen zu drehen, tat der herrgott die schleusen auf und es regnete hunde und katzen. seis drum, dachte ich und mutmaßte lauthals, dass ob der nassen witterung sicher auch noch nicht konzertiert werde – die gräfin allerdings gab zu bedenken, dass sie schon musik aus dem ziegelbau vernommen hätte. ich entgegnete trocken: soundcheck. von wegen: der vermutete soundcheck war knüppelharter folkrock aus kalifornien – und wo wir die arena schließlich enterten, flüchteten sich die beiden gallanten schon wieder ins trockene. sehr super, der hauptgrund meines kommens, geschichte. ich ergab mich dem schicksal und mimte glänzende augen. nach dem recht belanglosen americana-gesülze von  jenny und johnny war’s dann also soweit: everybodys darling der indieszene, connor oberst, zentrierte sich auf der bühne und mimte den britpop-dandy samt röhrlhose, samtsakko und pilzkopf.

bright eyes, connor oberst

foto by flo wieser

womit von vornherein klar war, wer hier das sagen hat – und wovon auch recht wortreich gebrauch gemacht wurde: der mann aus omaha, nebraska – „a damned sad and lonely place“ – plaudert gerne und ausführlich und bestach zudem mit der meines erachtens (franz bestätigte!) euphorisierendsten bandvorstellung ever: man muss diese menschen nach den oberstschen lobeshymnen einfach gern haben… anyway: den anfang machten ein paar nummern aus dem aktuellen album, was meinereinen eher dazu veranlasste, schnell noch bier holen zu gehen bzw. vor den mobiklos anzustehen und der gräfin gegenüber ein paar verächtliche bemerkungen betreffend pop zu machen. allerdings spätestens mit „lover, i don’t have to love“ war es auch mit meiner stoischen distanziertheit vorbei: oberst zelebrierte solo am keyboard – herzzereißend… starke momente bescherte insbesondere nate walcott, der – an sich mit keyboards beschäftigt – immer wieder mal zur trompete griff und den bright eyes ein bissl calexico impfte – sehr schön, wüstensand im mittelwesten. zu guter letzt – weils so ein feiner abend war – holte sich oberst noch jenny und johnny auf die bühne, um mit ihnen eine nummer („wrecking ball“) aus dem neuen gillian welch album zu spielen… eine session mit den two gallants hat er sich wohl leider für die nächste show aufgehoben. aber was soll’s: meine augen glänzten auch so…

zu höchstem dank…

fühl ich mich nicht nur david gedge und seinen wedding present gegenüber verpflichtet, sondern auch und vor allem, dem chrisi, der mich geburtstäglich in die kleine halle (und diesmal tatsächlich) der arena verschleppte, um dort ab halb zehn uhr abends mit „kennedy“ einer tour de force durchs beeindruckende musikwerk der band aus leeds zu lauschen.

nach nicht einmal der halben nummer, verabschiedet sich die erste saite von gedges gitarre – glücklicherweise hat er eine ganze wagenladung davon mit, welche ihm stakkatomäßig zugereicht werden: denn gegen diesen furor ist nicht stand zu halten – andere menschen  gehen holz hacken oder zerdreschen geschirr – gedge allerdings drischt in die saiten. wofür ich ihm sehr dankbar bin. zumal er dann auch irgendwann „interstate 5“ intoniert – was für ein riff… zum nierderknien…

wie insgesamt anzumerken ist, dass die band wie auch gedge selbst bestens gelaunt und hochmotiviert bis euphorisch zu werke gingen und die kleine halle sich nach den ersten beiden nummern als veritabler klangraum verkaufte – alles in allem ein wunderbarer abend: danke chrisi!

weddingpresent_lido08