Jubilierend in den Abgrund

Heute Abend darf Dr. John bei seinem Abgesang auf die Welt im Arkadenhof des Wiener Rathauses zugehört werden, gehet hin und weinet.

Blind Eyes of justice, deaf the ears of power
Dumb lose our money
Left us in a desperate hour
Economy
Driving me out of my sanity
Rebellious, Revolution
Is it the final solution?
Final Solution!

Nachtrag: Delaney Davidson im Rhiz, am 10. Mai

Herzzerreißendes ereignete sich am 10. Mai im Rhiz, nachdem der komplett famose Herr Delaney Davidson seinen neuesten Tonträger präsentierte – im Unterschied zum bisherigen Musikschaffen, um einiges spröder und bluesiger. Davidson, nach wie vor ein Vorbild in Sachen Shabby Chic, verkündete nach seinem virtuosen Auftritt, dass sein Erstling nun auch wieder auf Vinyl erhältlich sei. Und so man in diesem Moment ins Angesicht des Herrn Kloepfer blickte, konnte man live mit erleben, wie sich Glück in Männgergesichtern abbildet.

Herzzerreißend. Und weil der Herr Davison ein wahnsinnig netter Mensch ist, hat er sich dann auch noch dazu überreden lassen, mit uns den Kloepfer hochleben zu lassen. Weil er’s per se immer verdient hat.

Klopfer und Delaney Davidson, Rhiz, Mai 2014

Kloepfer und Delaney Davidson, Rhiz, Mai 2014

Molden Resetarits Soyka Wirth: Ho Rugg

Beileibe nicht und keinesfalls möchte ich die Wichtigkeit und Funktion der Herren Soyka und Wirth im Quartett mit Willhelm Resetarits und Ernst Molden herunter spielen, gar negieren.

(c) Wolfgang Zac

(c) Wolfgang Zac

Im Gegenteil, sie grundieren und bereiten die Atmosphäre für das Duo Resetarits/Molden, das immer mehr wie eine zeitgemäße Fortschreibung von Qualtinger/Heller wirkt – auf den Spuren des Wienerlieds die Verfasstheit des Ostösterreichischen dokumentiert, mit dem Gravitationszentrum Wien und Ausläufern bis zum Neusiedlersee über Kritzendorf bis hinein ins tiefste Waldviertel. Und eben jene Verfasstheit mit den Mitteln des Blues zu greifen versucht, sie fest schreibt in kleinen Gschichterln und Anekdoten, ihnen einen Korpus gibt in der Melancholie, jener zutiefst Wienerischen Befindlichkeit zwischen Glücklich- und Endlich-Sein.

Das Quartett präsentierte den neuen Tonträger im wunderschönen Stadtsaal, das Publikum war dankbar und gerührt. Eine Empfehlung: Ho Rugg.

Ho Rugg

Ho Rugg

Willis Earl Beal: Too Dry to Cry

Willis Earl Beal hat eine neue Platte gemacht – mit dem weisen Titel: Nobody knows, die ist natürlich nur jedem und jeder anzuempfehlen. Schon 2012 in meine best-of-Liste gerutscht, hat er sich damit auch dieses Jahr definitiv in Position gebracht.

Don’t leave me hanging like a spider with no fly
Cause I’ve been banging on the walls cause I’m too dry to cry

Bob Log III im Wirr: Wrestling the Blues

Der wie aus einem David-Lynch-Film importierte Keller des Wirr in der Burggasse war proppevoll. Anzunehmen wäre gewesen, dass sich Bierbäuche in Lederjacken nebst graumelierten Rossschwänzen tummeln würden, immerhin war Blues angesagt. Allerdings trifft Bob Logs Spielart der Blues-Zertrümmerung via Geschwindigkeit offensichtlich auch eine  weiche Stelle der Hipster-Crowd aus dem 7. Hieb – eine erkleckliche Anzahl an Pudelmützen, Ringel-T-Shirts und Ray Bans mischte sich unter die Alt-Bluesies.

bob logg III

Bob Logg III

Bob Log III erschien in hautengem Nicki-Overall mit Blinklichtern, dazu trug er einen formschönen Glitzer-Vollvisierhelm mit eingearbeitetem Telefonhörer (für die jungeren Semester: Früher war telefonieren nur von fixen Apparaten aus möglich, deren Hörer Mund und Ohr mittels eines Hängels verband, der sich auch vorzüglich dafür eignete, Leute damit zu verhauen…). Und Erscheinen ist keine Übertreibung: Vom Seiteneingang donnern die ersten Bluesriffe in die Menge, von hinten beleuchtet, kommt Bob Log III die Stufen herab, beinahe wie ein Gladiator – oder einer der Wrestler, die früher seine Kostüme für ihre Shows benutzten.

Nennen wir es: Wrestling the Blues.

Bob Log III versammelt alles Schweinische und Unzüchtige des alten Delta-Blues und beschleunigt es ins Surreale, um dann den Rhythmus immer wieder nach Lust und Laune zu brechen, zu zerdehnen und wieder voll anlaufen zu lassen. Mit Basstrommel, Becken und Rhythmusmaschinen bereitet er den Boden für eine Slide-Gitarre, wo kein Mensch bisher wissen konnte, dass die auch so zu spielen ist. Bob Log III veröffentlicht auf Fat Possum – da, wo die alten Schweinigeln des Blues ihr zu Hause hatten/haben, R.L. Burnside etwa, T-Model Ford oder Cedell Davis. Und bei diesen alten Männern ist Bob Log III in die Lehre gegangen, nur dass er deren Coolness und Nonchalance auf die doppelte Geschwindigkeit hochjazzt und damit der Anmaßung á priori eine ironische Spitze gibt. Ich bin weiß und mein Blues deshalb nie schwarz. Und trotzdem perfekt. Wie meine Scheiße.  

18/10 Wirr goes Wirr-Warr: Bob Log III

Die Mutter aller One-Man-Bands wird des freitags in Wien im Wirr Halt machen – und jeder und jede, die den Rumbling Helmet bis jetzt noch nicht zu sehen kriegte, ist sowieso verpflichtet hin zu gehen. Alle anderen, die ihn schon erleben durften, werden sowieso da sein. Wahrlich, der Mann ist ein Ereignis.