Alabama liegt in Südtirol

Oder umgekehrt. Dominik Plangger spielte zusammen mit Claudia Fenzl, Alessandra Cecala und Mauro Ferrarese eine Ramblin‘ Man Session im Café Stadtbahn – und wer nicht dort war, ist aufrichtig zu bedauern.

Nach dem Kindergeburtstagsfest von Florian Horwath und dem Funkenflug von Sparkle Drive wieder ein Konzert beim Herrn Eckhard, das zur Legendenbildung beiträgt…

Claudia Fenzl, Alessandra Cecala, Mauro Ferrarese, Dominik Plangger

(c) Roman Sonnleitner

Dass das Liedgut des Namensgebers der Session eine ausgiebige Würdigung erfuhr, bedarf wahrscheinlich keinen weiteren Ausführungen. Weil zu nahe liegend. Das wie muss allerdings hervorgehoben werden: Routine ist der Tod jedes Cover-Musikers – weshalb der Session-Zugang wahrscheinlich der einzig adäquate ist, wie man sich dem Thema widmen kann, ohne sich dabei in Mustern zu verlieren und also selbst zum Muster zu werden. Nichts von alledem: Plangger, Fenzl, Ferrarese und Cecala beweisen, dass man nicht in Alabama geboren sein muss, um beherzt und also mit Seele Hank Williams-Songs interpretieren zu können. Was meines Erachtens den Schlüssel für das euphorisierende Moment ihrer Performance darstellt: Seele. Es war beinahe so, wie wenn die Seele des großen alten Schmerzensmannes kurz durchs brechend volle Stadtbahn schwebte, wie wenn sich der Zigarettenrauch einen Moment lang zu seinem Antlitz verdichten würde, den Hut ein bisschen aus der Stirn gedrückt, mit akkurat geknoteter Schleife, saß er auf Planggers Schulter und lächelte – und wir alle sangen lauthals:

Son of a Gun, we’ll have big fun on the Bayou…

Übrigens: Alle denen es nicht vergönnt war, diese legendäre Session zu sehen –
es gibt Morgen, am Dienstag im Headquarter in der Beckmanngasse eine neuerliche Chance.

Sodass die Funken nur so flogen im Café Stadtbahn…

Herr Neumeister gab sich mit Max Mayerhofer und Alex Gantz am Samstag die Ehre – und es war uns, dem Herrn Sonnleitner und meiner Wenigkeit, eine eben solche, die Herren retorten-mäßig nachzubereiten.

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Foto: Roman Sonnleitner

Sparkle Drive nennt sich das Allstar-Gitarren-Triumvirat  – wobei das gut gefüllte Stadtbahn dem Funkenflug durch die thematischen Höhen und Tiefen der Americana nur allzu gern zu folgen bereit war.  Und dass Andi Neumeister vor dem Abschlusslied fest hielt: I mog die Hittn – macht uns dann doch ein bisserl stolz, weil es unser Ansinnen bestätigt, das Café Stadtbahn zu einem allseits geschätzten Ort für die Verbreitung countryesken Liedguts mittels der Veranstaltungsreihe Über’s Land zu machen.

Dass Andi Neumeister ein Meister seines Fachs ist, ließe sich schon ob seines Namens vermuten. Dass die Frage nach der Disziplin seiner Meisterschaft kurzerhand mit Alkohol und Frauen beantwortet werden könnte, ließe möglicherweise Falsches vermuten. Nicht von einem allfälligen Lebenswandel soll die Rede sein, sondern von den Wurzeln US-amerikanischer Liedkunst, denen sich das Trio in recht unorthodoxer Besetzung widmet. Während Neumeister den Rhythmus vorgibt, das Terrain bereitet und also: erdet – sind Max Mayerhofer und Alex Gantz via Banjo, Steel- und E-Gitarre die Herrn und Meister der Atmosphäre. Sie geben der Präriesonne akustische Gestalt, lassen Windböen träge pfeifen, evozieren Stürme samt Donner, Blitz und Hagel – um ansatzlos wieder endloses Blau an den Präriehimmel zu färbeln. Und wie aus weiter Ferne hallt Neumeisters Bariton nach, auf der ewigen Suche nach der nie eintretenden Erlösung…

 

 

Historisches ereignete sich…

des Wochenends: Einerseits – Herr Kinky Friedman beehrte die Stadt, dank unermüdlichen Einsatzes von Othmar Loschy, dem einmal mehr gar nicht oft genug zu danken ist.

Kinky Friedman, 4/5/20113, Aera, Wien

Kinky Friedman, 4/5/20113, Aera, Wien

Herr Friedman beglückte das brechend volle Aera mit einem 50/50 Mix aus Geschichten-Erzählen und Gesangsdarbietung. Ich könnte jetzt ad hoc nicht sagen, was davon unterhaltsamer war. Der Mann hat Sinn für (derben) Humor und keine Hemmungen („Immerhin würden Päderasten vor Schulen sehr langsam fahren…“). Zur Feier des Tages erwarben wir sogar ein wunderbar signiertes Stück Friedmanschem Schreibens, es wird über die Lektüreerfahrung noch zu berichten sein.

Andererseits – spielten am Samstag im ehrwürdigsten Café Stadtbahn The Neapickers auf – zum einen, fulminant und gut gelaunt wie bisher noch nicht erlebt. Zum anderen: Erhielten sie Verstärkung vom Herrn Eckhard, der bei einer Nummer gar den Cellisten machte. Ein perfekter Abend – zumal der Herr Kloepfer und ich dann auch noch recht affines Publikum mit countryeskem Liedgut bespielen durften…

The Neatpickers feat. Eckhard, 5/5/2013

The Neatpickers feat. Eckhard, 5/5/2013

Über’s Land: 04 Mai im Café Stadtbahn ab 20.30 – LIVE: The Neatpickers

LincVolt

Flyer Über’s Land, bruckner&kloepfer

jubel – der wunderbare herr kloepfer von der sitzdisko und meinereiner verrauchen wieder mal das hochaltehrwürdige café stadtbahn. die alpenrepublikanische landpartie the neatpickers quetscht sich dann so gegen 21.30 zwischen juke box und stehlampe und wird mit traurigen, schönen und frenetischem liedgut die damen- und herrschaften besucherInnen zum weinen, lachen, tanzen bringen…

Ein ganz formidabler DJ-Abend…

…entwickelte sich des Samstags, nachdem die definitiv sehr engagiert zu Werke gehenden Herren von My House in Spain ihr Gitarren wieder in den Koffern versorgt hatten.  Das Stadtbahn war gut gefüllt – sogar Tanzwütige fanden sich im Publikum, die nicht zögerten, dem Stadtbahn das Attribut Tanzcafé anzufügen. Und erstmalig in Kloepfers und meiniger durchaus schon einige Jahre sich hinstreckenden Zeit als Dosenmusikunterhalter bekamen wir von Besucherinnenseite nicht Alkoholisches spendiert, sondern: Schmattes! Wahrhaft denkwürdig – und memorabel, was dankenswerterweise die Frau Kumpfmüller übernahm.

Kloepfer & Bruckner

19/1/2013, cafe stadtbahn, (c) kumpfmüller

Und weil’s gar so schön und unterhaltsam war, hat der Herr Eckhard vom Stadtbahn vorgeschlagen, ob wir dieses Country-Gewurstel nicht regelmäßig machen wollen – so zum Beispiel einmal im Monat – und weil wird prinzipiell schon wollen gibt’s auch gleich eine Terminankündigung: Am 2. März wird’s also wieder Country geben – und das Ganze heißt: Über’s Land. Wir freuen uns.

 

Florian Horwath verwandelte das Cafe Stadtbahn…

…in einen Kindergeburtstag als er – sehr zum Missfallen von Herrn Eckhard – Kindergeburtstagslichter verteilte: Ein amüsanter Widerpart zum besungenen Teufel, zur eher an Pech und Schwefel gemahnenden brodelnden Atmosphäre im Stadtbahn, wo kein Stehplatz mehr frei war – und Atemluft nur mit hoher Nikotinkonzentration zur Verfügung stand.

florian horwath, cafe stadtbahn, 12/1/2013

Was dem Vergnügen allerdings keinen Abbruch tat: Horwath und seine Mitmusiker (Kyrre Kvam , Boris Fiala und Stefan Galler) präsentierten sich in Spiellaune und gaben nach kurzen Außenluftschnapppausen auch noch Zugaben – das hatte beinah‘ etwas Suizidales…

florian horwath, cafe stadtbahn, 12/1/2013

florian horwath, cafe stadtbahn, 12/1/2013

florian horwath, cafe stadtbahn, 12/1/2013

kyrre kvam, cafe stadtbahn, 12/1/2013

Und neben der erfreulichen Tatsache, dass dem Herrn Horwath am altehrwürdigen Cafe Stadtbahn gelegen ist und er selbiges konzertant beehrt, ist außerdem schon jetzt drauf hin zu weisen, dass selbiger Herr Horwath die Greisslerei am Lidlberg wieder zum Leben (Schöffelgasse 13, keine 100 Schritte vom Stadtbahn!) erwecken will, wo er dann ebenfalls akustisch zu Werke gehen wird. Wir freuen uns schon jetzt, ganz außerordentlich!