Kein rosten in der Stadthalle: Neil Young

So blieb es denn dabei, dass ich beim Hingehen Hey hey, my my,…  vor mich hinträllerte, da Herr Young es nicht in der Setlist hatte und mir damit verwehrt blieb, es im Original zu hören (und wovon Doc Holiday vor Jahren schwärmte). Was das Erlebnis allerdings nur geringfügig schmälerte…

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young (c) APAweb, Hans Klaus Techt

Neil Young gastierte mit seinen Crazy Horse in der Wiener Stadthalle, im Hintergrund zwei Backgroundsängerinnen, die den Wüterich zu besänftigen suchten. Gewütet wurde zuallererst mit Stromgitarren, dann folgte ein kurzes Akustikset im Alleingang mit Mundharmonika, wo Young den jungen Dylan und den young Young gab, um das ganze wiederum elektrisch zu beenden, mit dem programmatischen Who’s Gonna Stand up and Save the Earth. Schließlich a capella vor dem Publikum vorgetragen, Arm in Arm, selbiges ansprechend: You, you, you… nunja, darauf würde ich nicht setzen. Was wiederum vielleicht die verkrampften Mundwinkel erklärt: Wenn du ernsthaft Hippie sein willst, hast du in dieser Welt schlechte Karten. Da gibt es überall so viel, das im Argen liegt, da ist Schluss mit lustig und Gelache. Wenn Young an diesem Abend lächelt, dann sieht es eher nach Nostalgie aus, wenn er ein Riff anspielt und Poncho Sampedro begeistert zu nicken beginnt und auf Native American macht. Oder am Ende der Show, die Nachricht verkündet ist und kurz die Hoffnung besteht, dass damit vielleicht irgend etwas in Bewegung gesetzt werden kann – brennen, bis zum Schluss.

 

es war fantastisch …

neil-young.gif

Zwischen 00.30 und 1 Uhr morgens, in der Nacht vom 22. auf der 23. Februar, konnte beobachtet werden, wie hunderte glückliche Menschen in dieser warmen und windigen Februarnacht zu Fuß über die Reichsbrücke in Richtung Innenstadt zogen. Schuld daran war Neil Young. Er hatte zuvor nicht nur ein vollends mitreißendes, sondern auch mehr als 3 Stunden langes Konzert im Austria-Center abgeliefert und damit die U-Bahn-Heimreise unmöglich gemacht. Taxis waren nicht zu bekommen und so machte man sich halt zu Fuß auf den Weg – bei guter Stimmung kein Problem und gut war sie, die Stimmung am Ende dieses Abends.

Nachdem seine Frau Pegi die Besucher mit einem feinen, rund 40minütigen Country-Set eingestimmt hatte, begann Neil Young gegen 21 Uhr sein Konzert mit From Hank to Hendrix. Eine gute Stunde bestritt er alleine, meist an einer der vielen Gitarren, die um ihn herum aufgebaut waren, hin und wieder auch am großen (A Man Needs a Maid) oder kleinen Klavier (After the Gold Rush). Alleine auf der Bühne wirkte Young mitunter etwas verloren und orientierungslos, nichtsdestotrotz war er an der Gitarre souverän und gut bei Stimme und schenkte dem Publikum schließlich Heart of Gold und Old Man als letzte Songs des Akustik-Sets. Auf das, was nach einer kurzen Umbaupause kommen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch niemand vorbereitet. Young tauchte mit Band wieder auf und riß das Publikum mit einem großartigen Mr. Soul sofort aus der fast besinnlichen Stimmung des ersten Konzertteiles. Nach zwei oder drei weiteren Songs war der Saal mit den ersten Akkorden von Hey, Hey, My, My auf den Beinen und waren die Gänge und der Bereich am Bühnenrand dicht mit Menschen gefüllt, auch wenn die Security genau das zu verhindern versucht hatte. Die Menschen begannen im Takt zu springen, der Saalboden schwang bedrohlich mit. Gesessen ist ab diesem Zeitpunkt niemand mehr. Über einige Songs aus seinem letzten Album Chrome Dreams II und Klassiker wie Down by the River und Powderfinger (und ein wunderbares, dem verstorbenen Crazy Horse-Mitglied Danny Whitten gewidmetes Winterlong) spielte sich Young ans Ende seiner fast dreistündigen Darbietung, ohne auch nur ein bißchen an Energie oder Spielfreude zu verlieren, im Gegenteil. Die Zugaben brachten Cinnamon Girl und schließlich Rockin’ in the Free World, was den Saalboden wieder in Schwingungen versetzte und ein paar recht jungen Menschen sogar unerwartete Gelegenheit zum Stagediving bot.

Ein unglaubliches, ein fantastisches Konzert. Was Young und seine großartige Band geboten haben, bekommt man nicht alle Tage zu sehen, nicht in Wien und wohl auch nicht anderswo. Ein Konzert des Jahres, ohne Zweifel. Das trau ich mich sagen, obwohl es erst Ende Februar ist.

Doc Holliday

es war rührend…

neil young tribute

den quellenchor (= Hotel Prestige, Bell Etage, Thalija, Leeps Akam, Smuggle Goods into the Country) dabei zu lauschen, wie sie im stile alter hippies dem rock’n roll ewiges leben einhauchen wollten, es war duchaus amüsant, die musikgemeinschaft granulat dabei zu beobachten, wie sie dem liedgut von neil young den gogol bordello abringen wollten und auch roscoe fletcher, denen es viel mehr um parallelen zu metallischem ging… sehr lustiger abend!

bruckner.