The Fried Okra Band, ab 21.00 Uhr im Local

Hinzuweisen ist mit absoluter Dringlichkeit – heute Abend wird wieder einmal bewiesen, dass die Südstaaten Amerikas kein geografischer Begriff sind, sondern vielmehr ein Gefühl, ein Gespür für das Leben, die bloße Existenz, in all ihrer Dringlichkeit – und Ärmlichkeit. Dafür bedanken wir uns einmal mehr, beim großartigen Herrn Loschy.

Gottfried David Gfrerer

Gottfried David Gfrerer @ das Bach

Froh sind wir darüber hinaus, dass Gottfried David Gfrerer, von der Karriere als hauptberuflicher Revolverschütze abgesehen hat und Gitarrist wurde. Es war ein Ereignis diesem Mann zu zu hören und jedem/jeder der/die sich das entgehen hat lassen, sei hiermit versichert: Sein/ihr Leben wird weniger reichhaltig sein, so das nicht nach geholt wird.

Herzerfrischend war dann ebenfalls noch, das Zusammenspiel mit den ambitionierten Ghost And the Machine.

Gottfried David Gfrerer + Ghost And the Machine

Gottfried David Gfrerer + Ghost And the Machine

Bob Log III im Wirr: Wrestling the Blues

Der wie aus einem David-Lynch-Film importierte Keller des Wirr in der Burggasse war proppevoll. Anzunehmen wäre gewesen, dass sich Bierbäuche in Lederjacken nebst graumelierten Rossschwänzen tummeln würden, immerhin war Blues angesagt. Allerdings trifft Bob Logs Spielart der Blues-Zertrümmerung via Geschwindigkeit offensichtlich auch eine  weiche Stelle der Hipster-Crowd aus dem 7. Hieb – eine erkleckliche Anzahl an Pudelmützen, Ringel-T-Shirts und Ray Bans mischte sich unter die Alt-Bluesies.

bob logg III

Bob Logg III

Bob Log III erschien in hautengem Nicki-Overall mit Blinklichtern, dazu trug er einen formschönen Glitzer-Vollvisierhelm mit eingearbeitetem Telefonhörer (für die jungeren Semester: Früher war telefonieren nur von fixen Apparaten aus möglich, deren Hörer Mund und Ohr mittels eines Hängels verband, der sich auch vorzüglich dafür eignete, Leute damit zu verhauen…). Und Erscheinen ist keine Übertreibung: Vom Seiteneingang donnern die ersten Bluesriffe in die Menge, von hinten beleuchtet, kommt Bob Log III die Stufen herab, beinahe wie ein Gladiator – oder einer der Wrestler, die früher seine Kostüme für ihre Shows benutzten.

Nennen wir es: Wrestling the Blues.

Bob Log III versammelt alles Schweinische und Unzüchtige des alten Delta-Blues und beschleunigt es ins Surreale, um dann den Rhythmus immer wieder nach Lust und Laune zu brechen, zu zerdehnen und wieder voll anlaufen zu lassen. Mit Basstrommel, Becken und Rhythmusmaschinen bereitet er den Boden für eine Slide-Gitarre, wo kein Mensch bisher wissen konnte, dass die auch so zu spielen ist. Bob Log III veröffentlicht auf Fat Possum – da, wo die alten Schweinigeln des Blues ihr zu Hause hatten/haben, R.L. Burnside etwa, T-Model Ford oder Cedell Davis. Und bei diesen alten Männern ist Bob Log III in die Lehre gegangen, nur dass er deren Coolness und Nonchalance auf die doppelte Geschwindigkeit hochjazzt und damit der Anmaßung á priori eine ironische Spitze gibt. Ich bin weiß und mein Blues deshalb nie schwarz. Und trotzdem perfekt. Wie meine Scheiße.  

6/10 chelsea: dan stuart & sacri cuori

dass arizona durchaus in italien liegen kann beziehungsweise italiener arizona im blut haben können, bewiesen hingebungsvoll sacri cuori, die sowohl die vorband für dan stuart machten als auch seine begleitung. eine leadgitarre, ein bass, orgel+akkordeon und schlagzeug evozierten die wüste in ottakring – und dafür war kein gesang von nöten.

und dann sprang der herr in den besten jahren auf die bühne (in jüngeren jahren war er bestimmender anteil von green on red!), dan stuart. wie ein etwas in die jahre gekommener jeff daniels mit gitarre gab er den wüstenitalienern noch zeit für ein kurzes pausenbier und machte auf singer/sogwriter.

der jack nicholson in ihm harrte seiner befreiung – die insbesondere dann ihre inszenierung fand, wenn alte green on red nummern zur aufführung gelangten und also das freundliche jeff-daniels-lächeln sich zur fratze verzerrte und der mond angeheult wurde. rock’n’roll!

22/9 konzerthaus (nachtrag): calexico (support laura gibson)

laura gibson machte den support für calexico, bei deren konzert im konzerthaus. so sehr ihre stimme beeindruckt – am besten war sie im duett mit joey burns. schon am ende ihres sets interpretierten sie zusammen „all the pretty horses“ – am ende von calexicos auftritt sollte es dann noch ein leonard-cohen-cover sein, welches schlicht nur als fantastisch bezeichnet werden kann.

calexico selbst gaben – glücklicherweise – nicht ausschließlich stücke von „algiers“ – ihrem letzten album – zum besten, sondern versorgten auch mit den gut abgehangenen klassikern. und: die fahren nach wie vor – die hölle. bläsersätze, slidegitarre, alles was das waidwunde südstaatenherz hören muss, um eine träne in die zerfurchten wangen zu zerdrücken.

so standen wir denn da, nach der DRITTEN zugabe, verheult wie die schulkinder und wünschten uns, dass die herren möglichst bald wieder mal nach wien kommen würden… (und die chancen stehen nicht schlecht, da burns ja betonte, das konzerthaus sei ihm der liebste konzertort überhaupt!)

Zwei Höhepunkte beim 10 Jahre Fest von klingt.org

Gastkommentar von Daniel Pabst:

photo: (cc) david murobi

Die österreichische, internet-basierte Plattform für moderne Musik Österreichs feiert ihr 10 jähriges Bestehen und unterstrich dies mit 2 Festtagen in Wien (16.1.) und Wels (15.1.). Das gestrige Fest in Wien/ Brut/ Künstlerhaus zeigte die Vielfältigkeit der „org klingenden“ Musiker so gelungen, dass man kaum etwas zu kritisieren hat. Es zeigte die blühende Subkultur Wiens, die mittlerweile Zeit hatte zu reifen und eine Qualität erreicht hat, die im internationalen Vergleich selten geworden ist. Im Zentrum der gelungenen Programmierung stand das klingt.orgestra unter der Leitung von Dieb 13, welches einen guten Querschnitt der Musiker zeigt. Das 14-köpfige Klanggebilde hat offenbar einige Zeit investiert um eine straffe Konzeption zu erarbeiten und überrascht mit exakter und feinfühliger Umsetzung. Mit vielen interessanten Klangideen. Nach dem Motto weniger ist mehr ist das orgestra einfach gut. Es versteht die Besonderheit Musiker aller Stile zu einer Musik voller Offenheit und Toleranz zu führen. Es tut gut, einen Klangkörper zu erleben der elelektronische Musik, Free Jazz, Pop, Underground, Punk, zeitgenössische Kunstmusik, ethnische Musik, ua. zu einem lebendigen und reifen Statement vereint. Ein schöner Beweis was entstehen kann, wenn man mit Toleranz auf musikalische Kulturen unterschiedlicher Herkunft zugeht.

Orgestra line up: tim blechmann – supernova, bernhard breuer – drums, angelica castello – recorders & electronics, dieb13 – turntables, silvia faessler – ppooll, klaus filip – ppooll, susanna gartmayer – clarinet, noid haberl – cello, manuel knapp – precast video, peter kutin – sound alchemy, elise mory – keyboards, billy roisz – video, martin siewert – guitars & electronics, oliver stotz – guitars & electronics

Ein zweiter Höhepunkt war die Allstar Band „broken heart collector“ mit raumschiff englmayer/elektrogitarre, ratti derhunt/bassgitarre, dd kern/schlagwerk, maja osojnik/gesang und susanna gartmayer/bassklarinette. Vielleicht könnte man das stilistische Konzept der Band mit Sonic Youth vergleichen. Der Kern der Band sind die Protagonisten der Band BulBul, erweitert durch 2 beängstigend energetische Frauen – Maja Osojnik/Susanna Gartmayer. Auch hier prallen viele Genres aufeinander und verschmelzen zu einem reifen Klangkörper der voller Trauer in leisen Momenten, voller Wut in lauten Momenten, aber in jedem Moment authentisch schockiert.

Bravo klingt.org, Bravo Dieter Kovacic alias Dieb 13!!! Wir freuen uns auf die nächsten 10 Jahre und behalten die ersten in schöner Erinnerung.

soundcheck

ich beginn mal mit todd snider – gut, er schaut ein bissl aus wie beck und er quengelt ein bissl wie bob dylan – aber: schlecht??! na holla aber. und ok, er reicht mit seinen texten nicht an einen townes von zandt etc. ran – aber: muss er? nein, nix gegen sowas einzuwenden. wirklich nicht.

Todd Snider: You Got Away With It (MP3, yousendit Link)

Todd Snider: Iron Mike’s Main Man’s Last Request (MP3, yousendit Link)

darüber hinaus muss auch dem bluegrass hier mal reverenz erwiesen werden, mister tim o’brien sei hier ans herz gelegt – hörz euch das an und dann kein schlechtes wort mehr betreffend bluegrass, ja?

Tim O’Brien: Hoss Race (MP3, yousendit Link)

ausgehend vom banjo muss auf matt bauer verwiesen werden und sein wunderbares album „the island moved in the storm“…

Matt Bauer: Rose And Vine (MP3, yousendit Link)