Black Dog Cubik und Scott H. Biram: Was alles aus dem Blues zu destillieren ist

Im Grunde etwas zu spät, traf ich vor dem Bach noch den Othmar, er sah etwas müde und nervös aus, nur noch knapp zwei Wochen bis zum Americanafest, das er unbedingt machen wollte, erzählte atemlos von dem, was noch passieren muss und passieren wird… Auf die Frage, ob er auch Black Dog Cubik kenne, meinte er, sie hätten auch noch wegen Teilnahme bei der Americana-Sause angefragt, leider zu spät, nächstes Jahr dann bestimmt, weil irgendwie kontrapunktisch, mehr von der Blues-Ecke, eingeweicht in Punk und Rock’n’Roll.

Also runter in den Keller, der schon gut gefüllt ist, Black Dog rotzen eben ihre erste Nummer aufs Parkett und ich versuche mir ein Bier zu erkämpfen, easy said, wenn der Barmann im Zufallsprinzip seine Gunst verteilt. Neben mir einer im Baumwollhemd mit verschwitztem Baseballcap, dem der Geduldsfaden reißt: I’m the fucking Band, man… wäre das auch geklärt. Schließlich bekomme ich mein Bier, Scott H. Biram ebenso. Zwischenzeitlich rumpeln die beiden Oberösterreicher durch ihr erdgebundenes Liedwerk, einem Bastard zwischen Folk und Punk im Geiste des Blues – um schließlich freundlich dem Dirty Ol‘ Man die Bühne zu überlassen…

Black Dog Cubik, Bach,  4.9.2014

Black Dog Cubik, Bach, 4.9.2014

Der ist dann anfänglich auch wirklich noch ein bissl angepisst, weswegen er wohl auch ziemlich schnell zur Elektrischen greift und darstellt, wo Metal in den Blues eingepasst gehört – das Black Flag T-Shirt ist definitiv kein Accessoire. Unfassbar.

Scott H. Biram, Bach,  4.9.2014

Scott H. Biram, Bach, 4.9.2014

Was zur Verbesserung der Laune führt – und Scottie dazu veranlässt, kurz drauf hinzuweisen, dass man nicht vergessen möge, auf die Bar zu scheißen, wenn man geht. Er lächelt verschmitzt und raunzt die Pogo tanzenden Scater-Boys vor ihm kurz an, dass er ihnen die Visage einschlage, sollte noch mal ein Bierflasche auf die Bühne fliegen. Den Scater-Boys wars egal, Scottie ebenfalls.

Scott H. Biram, Bach,  4.9.2014

Scott H. Biram, Bach, 4.9.2014

Irgendwann ist er dann so hinab beruhigt, dass es beinahe zum schunkeln wird…

Well the broken part of me
and this trouble so hard
and this washed up way of livin‘
since we been apart
and after all we been through
and even after I lost you
I’m still drunk, I’m still crazy, I’m still blue…

Scott H. Biram, Bach,  4.9.2014

Scott H. Biram, Bach, 4.9.2014

Den Scater-Boys wird fad und es finden wieder ein paar Bierflaschen ihren Weg auf die Bühne. Scottie greift wieder zu Schwermetall. Die Buben beweisen, dass man auch knackevoll auf einem Bein hüpfen kann.

Scott H. Biram, Bach,  4.9.2014

Scott H. Biram, Bach, 4.9.2014

Scottie grinst. Und spielt schneller.

Scott H. Biram, Bach,  4.9.2014

Scott H. Biram, Bach, 4.9.2014

By the way: Irgendein Arsch hat zwei Rucksäcke ausm Tourbus von Scottie mitgehen lassen. Mit allen Infos zur Tour, Reisepässen etc. – so irgend jemand was drüber weiß, bitte bei den Black Dogs melden oder unter:  0660 2765538.

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New Voice: Aidan Connell

Die Damen und Herren von Rollo & Grady machten mich auf Aidan Connell aufmerksam. Vergleichbar mit Gary Clark Jr. entwickelt er aus dem Geiste des Blues einen Bastard zwischen Soul und Rock’n’Roll. Fantastisch, hört selbst!

aidan connell

aidan connell

Bob Log III im Wirr: Wrestling the Blues

Der wie aus einem David-Lynch-Film importierte Keller des Wirr in der Burggasse war proppevoll. Anzunehmen wäre gewesen, dass sich Bierbäuche in Lederjacken nebst graumelierten Rossschwänzen tummeln würden, immerhin war Blues angesagt. Allerdings trifft Bob Logs Spielart der Blues-Zertrümmerung via Geschwindigkeit offensichtlich auch eine  weiche Stelle der Hipster-Crowd aus dem 7. Hieb – eine erkleckliche Anzahl an Pudelmützen, Ringel-T-Shirts und Ray Bans mischte sich unter die Alt-Bluesies.

bob logg III

Bob Logg III

Bob Log III erschien in hautengem Nicki-Overall mit Blinklichtern, dazu trug er einen formschönen Glitzer-Vollvisierhelm mit eingearbeitetem Telefonhörer (für die jungeren Semester: Früher war telefonieren nur von fixen Apparaten aus möglich, deren Hörer Mund und Ohr mittels eines Hängels verband, der sich auch vorzüglich dafür eignete, Leute damit zu verhauen…). Und Erscheinen ist keine Übertreibung: Vom Seiteneingang donnern die ersten Bluesriffe in die Menge, von hinten beleuchtet, kommt Bob Log III die Stufen herab, beinahe wie ein Gladiator – oder einer der Wrestler, die früher seine Kostüme für ihre Shows benutzten.

Nennen wir es: Wrestling the Blues.

Bob Log III versammelt alles Schweinische und Unzüchtige des alten Delta-Blues und beschleunigt es ins Surreale, um dann den Rhythmus immer wieder nach Lust und Laune zu brechen, zu zerdehnen und wieder voll anlaufen zu lassen. Mit Basstrommel, Becken und Rhythmusmaschinen bereitet er den Boden für eine Slide-Gitarre, wo kein Mensch bisher wissen konnte, dass die auch so zu spielen ist. Bob Log III veröffentlicht auf Fat Possum – da, wo die alten Schweinigeln des Blues ihr zu Hause hatten/haben, R.L. Burnside etwa, T-Model Ford oder Cedell Davis. Und bei diesen alten Männern ist Bob Log III in die Lehre gegangen, nur dass er deren Coolness und Nonchalance auf die doppelte Geschwindigkeit hochjazzt und damit der Anmaßung á priori eine ironische Spitze gibt. Ich bin weiß und mein Blues deshalb nie schwarz. Und trotzdem perfekt. Wie meine Scheiße.  

18/10 Wirr goes Wirr-Warr: Bob Log III

Die Mutter aller One-Man-Bands wird des freitags in Wien im Wirr Halt machen – und jeder und jede, die den Rumbling Helmet bis jetzt noch nicht zu sehen kriegte, ist sowieso verpflichtet hin zu gehen. Alle anderen, die ihn schon erleben durften, werden sowieso da sein. Wahrlich, der Mann ist ein Ereignis.

 

 

es war fantastisch …

neil-young.gif

Zwischen 00.30 und 1 Uhr morgens, in der Nacht vom 22. auf der 23. Februar, konnte beobachtet werden, wie hunderte glückliche Menschen in dieser warmen und windigen Februarnacht zu Fuß über die Reichsbrücke in Richtung Innenstadt zogen. Schuld daran war Neil Young. Er hatte zuvor nicht nur ein vollends mitreißendes, sondern auch mehr als 3 Stunden langes Konzert im Austria-Center abgeliefert und damit die U-Bahn-Heimreise unmöglich gemacht. Taxis waren nicht zu bekommen und so machte man sich halt zu Fuß auf den Weg – bei guter Stimmung kein Problem und gut war sie, die Stimmung am Ende dieses Abends.

Nachdem seine Frau Pegi die Besucher mit einem feinen, rund 40minütigen Country-Set eingestimmt hatte, begann Neil Young gegen 21 Uhr sein Konzert mit From Hank to Hendrix. Eine gute Stunde bestritt er alleine, meist an einer der vielen Gitarren, die um ihn herum aufgebaut waren, hin und wieder auch am großen (A Man Needs a Maid) oder kleinen Klavier (After the Gold Rush). Alleine auf der Bühne wirkte Young mitunter etwas verloren und orientierungslos, nichtsdestotrotz war er an der Gitarre souverän und gut bei Stimme und schenkte dem Publikum schließlich Heart of Gold und Old Man als letzte Songs des Akustik-Sets. Auf das, was nach einer kurzen Umbaupause kommen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch niemand vorbereitet. Young tauchte mit Band wieder auf und riß das Publikum mit einem großartigen Mr. Soul sofort aus der fast besinnlichen Stimmung des ersten Konzertteiles. Nach zwei oder drei weiteren Songs war der Saal mit den ersten Akkorden von Hey, Hey, My, My auf den Beinen und waren die Gänge und der Bereich am Bühnenrand dicht mit Menschen gefüllt, auch wenn die Security genau das zu verhindern versucht hatte. Die Menschen begannen im Takt zu springen, der Saalboden schwang bedrohlich mit. Gesessen ist ab diesem Zeitpunkt niemand mehr. Über einige Songs aus seinem letzten Album Chrome Dreams II und Klassiker wie Down by the River und Powderfinger (und ein wunderbares, dem verstorbenen Crazy Horse-Mitglied Danny Whitten gewidmetes Winterlong) spielte sich Young ans Ende seiner fast dreistündigen Darbietung, ohne auch nur ein bißchen an Energie oder Spielfreude zu verlieren, im Gegenteil. Die Zugaben brachten Cinnamon Girl und schließlich Rockin’ in the Free World, was den Saalboden wieder in Schwingungen versetzte und ein paar recht jungen Menschen sogar unerwartete Gelegenheit zum Stagediving bot.

Ein unglaubliches, ein fantastisches Konzert. Was Young und seine großartige Band geboten haben, bekommt man nicht alle Tage zu sehen, nicht in Wien und wohl auch nicht anderswo. Ein Konzert des Jahres, ohne Zweifel. Das trau ich mich sagen, obwohl es erst Ende Februar ist.

Doc Holliday