Mit Daniel Romano weinen

Für einen Abend wurde aus dem Local, eingezwängt zwischen Gürtel-Brücke, U-Bahn und Straßenbahn, umtost vom Straßenverkehr und ausgeleuchtet in Gelblicht, ein Honky-Tonk somewhere in the middle of nowhere. Ein einsames Licht, umgeben von undurchdringlicher Nacht.

Eine Steele-Gitarre dringt anklagend nach draußen, eine Violine pinselt traurige Striche.

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Ein Mann besingt sein ewiges Unglück, wütet ob der beständigen Ungerechtigkeit, der auszuweichen er nicht imstande ist. Im Gegenteil, der Becher muss bis zur Neige ausgetrunken werden, was dem Kopf klar sein mag, macht für das Herz noch lange keinen Unterschied.

They say time can take the pain away, because time changes everything.
But time forgot to change my heart. Yes time forgot to change my heart.

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Daniel Romano, 9/10 Local, Wien

Und – wir weinten nicht, wir übten bloß eine neue Rolle.

I’m not crying over you,
I’m not crying over you,
you might think so, but you’re wrong
know that feeling’s dead and gone
there’s crying, but is just a role I’m working on.

Daniel Romano war dank Othmar Loschy in der Stadt, die Freundin seiner Schwester, die uns vorab mit melancholischen Liedern beglückte, bekam von Roman Sonnleitner Geburtstagsküchlein überreicht, die Rührung stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Nur der Steele-Gitarrist und die Bassistin, die verzogen keine Miene.

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Sodass die Funken nur so flogen im Café Stadtbahn…

Herr Neumeister gab sich mit Max Mayerhofer und Alex Gantz am Samstag die Ehre – und es war uns, dem Herrn Sonnleitner und meiner Wenigkeit, eine eben solche, die Herren retorten-mäßig nachzubereiten.

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Sparkle Drive: Max Mayerhofer, Andi Neumeister, Alex Gantz

Foto: Roman Sonnleitner

Sparkle Drive nennt sich das Allstar-Gitarren-Triumvirat  – wobei das gut gefüllte Stadtbahn dem Funkenflug durch die thematischen Höhen und Tiefen der Americana nur allzu gern zu folgen bereit war.  Und dass Andi Neumeister vor dem Abschlusslied fest hielt: I mog die Hittn – macht uns dann doch ein bisserl stolz, weil es unser Ansinnen bestätigt, das Café Stadtbahn zu einem allseits geschätzten Ort für die Verbreitung countryesken Liedguts mittels der Veranstaltungsreihe Über’s Land zu machen.

Dass Andi Neumeister ein Meister seines Fachs ist, ließe sich schon ob seines Namens vermuten. Dass die Frage nach der Disziplin seiner Meisterschaft kurzerhand mit Alkohol und Frauen beantwortet werden könnte, ließe möglicherweise Falsches vermuten. Nicht von einem allfälligen Lebenswandel soll die Rede sein, sondern von den Wurzeln US-amerikanischer Liedkunst, denen sich das Trio in recht unorthodoxer Besetzung widmet. Während Neumeister den Rhythmus vorgibt, das Terrain bereitet und also: erdet – sind Max Mayerhofer und Alex Gantz via Banjo, Steel- und E-Gitarre die Herrn und Meister der Atmosphäre. Sie geben der Präriesonne akustische Gestalt, lassen Windböen träge pfeifen, evozieren Stürme samt Donner, Blitz und Hagel – um ansatzlos wieder endloses Blau an den Präriehimmel zu färbeln. Und wie aus weiter Ferne hallt Neumeisters Bariton nach, auf der ewigen Suche nach der nie eintretenden Erlösung…