Familienbande und Super Soul Revue

Der Juli zog ins Land – und mit ihm wohl der Konzerthöhepunkt des Jahres: Das anbetungswürdige Daptone Label machte in der Staatsoper im Rahmen des Jazzfests Wien mit seiner Super Soul Revue halt.

Super Soul Revue

Super Soul Revue

Wie schon an anderer Stelle von Klaus Nüchtern fest und in Frage gestellt  – man mag von der Subventionspolitik via Jazzfest von Leuten wie Al Jarreau und den Pet Shop Boys an Orten wie der Staatsoper oder dem Rathaus halten, was man will – man darf das natürlich auch für nicht so super halten – allerdings: Dass via Jazzfest Soulgrößen nach Wien kommen, für die es sonst keinen Rahmen, keine Location gäbe, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Das Daptone Label wiederbelebt  die alte Idee der Soul Revue, wie in den 60er Jahren, in der Blütezeit des klassischen Souls. Neben ihren beiden Aushängeschildern Charles Bradley und Sharon Jones werden noch drei weitere Acts aus der Daptone-Werkstatt präsentiert – alles fein abgestimmt und moderiert durch Binky Griptite, dem Mister Cool der Dap-Kings.

Charles Bradley, Staatsoper, 1.7.2014

Charles Bradley, Staatsoper, 1.7.2014

Nach einer Intro-Phase mit Saun & Starr und anschließend den Sugarman 3, die gepfefferten Soul-Jazz servierten, der schon recht funkig in die Beine fuhr, markierte Charles Bradley, der ehemalige Koch und James Brown Impersonator, den ersten Höhepunkt der 3 1/2 stündigen Show. Und es war eine Freude, es ging ans Herz, diesen Mann schmachten zu sehen, auf die Knie fallen und im tiefsten Inneren nach der Wahrheit suchen: Real Love is from the Heart, real Love is from the Soul. Was der Mann sich anschickte,  ad hoc zu beweisen und in Stimme zu gießen.

Nach einem durchaus bemerkenswerten Zwischenspiel in Sachen Afrobeat und -funk durch Antibalas, das das Staatsopernpublikum schon nachhaltig in Bewegung versetzte, betrat schließlich die regierende Queen of Soul die Bühne: Misses Sharon Jones.

Sharon Jones, 1.7.2014

Sharon Jones, 1.7.2014

Dass die Frau eben erst eine Krebstherapie überstanden hatte, wäre – so sie es nicht selbst zum Thema gemacht hätte – nicht mal ansatzweise spürbar gewesen. Es war eine Ode ans Leben – und also: ans Überleben. Dargebracht mit Inbrunst und Bestemm: There is no single cancer cell anymore in my body. Das Staatsopernpublikum feierte mit ihr, tanzte mit ihr, ließ die Hüften kreisen und für einen ganz kurzen Moment lang, war Zeit keine Kategorie mehr. Da war nur noch diese eine einigende Gefühl – Mensch

Am Ende traf sich schließlich die ganze Daptone-Family auf der Bühne und gab den Sly Stone… un-fass-bar.

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Staatsoper goes Super Soul: 1. Juli 2014

Das Jazzfest Wien beschert uns wieder mal ganz fulminanten Besuch: Morgen, am 1. Juli dieses Jahres, tagt die Super Soul Revue in der Wiener Staatsoper – was bedeutet, dass sowohl die komplett fantastische Misses Sharon Jones zu bewundern ist, als auch der atemberaubende Charles Bradley.

Dass das definitiv die coolste und funkigste Nacht des Jahres wird, kann jetzt schon verlautbart werden.

 

koinzidenzen: alte männer

willie nelson, 20/6/10, wr. stadthalle

willie was here – eine erscheinung. nicht umsonst glaubt man sein haupt von einem heiligenschein umrahmt. unwahrscheinlich – der 1933 in abbott, texas, geborene wühlte sich unverdrossen und mit glasklarer stimme durch sein unvergleichliches oeuvre, improvisierte auf seiner akkustikgitarre jazzstrukturen, dass dem österreichischen möchtegern-hilly-billytum der kalte schweiß unter den lederstetsons ausbrach, einzig der mundharmonikaspieler seiner familiären begleitband war im stande der komplexheit der aufgebrochenen songstrukturen zu folgen und parierte mit sauberen solis… wohingegen der mann am beserlschlagzeug stur weiter kehrte, als gäb’s kein morgen. wie auch immer – die erscheinung fand nach rund zwei stunden sein ende mit: i saw the light… gänsehaut.

und dann war da noch: al green! der reverend zeigte dem staatsopernpublikum im rahmen des jazzfests wien – wieder einmal muss die wichtigkeit dieser konzertreihe hervor gestrichen werden – wie sexy glauben sein kann – was angesichts der vorkommnisse in der katholischen kirche durchaus wohltuend sein kann. wenn man sich die verbissenen gesichter der hiesigen geistlichkeit anguckt und dann in das breit lächelnde gesicht al greens schaut, der singend predigt , der mit seiner 14-köpfigen begleitband (wahnsinnig abgebrüht und hochprofessionell!) souverän durch seine welthits pflügt, langstielige rote rosen an die damen verteilt und immer wieder sein credo beteuert: i love you – so wie er die ganze welt zu umarmen gedenkt, womöglich verschluckt hat, was einem beim anblick des kugelbauchs durchaus in den kopf kommen könnt…

zum andenken an meinen dad, einem alten mann, den ich sehr geliebt hab, und der eben zwischen diesen beiden konzerten den letzten rehbock auf dieser welt gesehen hat…

Johnny Cash: We’ll Meet Again (m4a)
Al Green: I’m So Lonesome I Could Cry (m4a)
Antony And The Johnsons: Hope There’s Someone (mp3)