8/5 theater akzent: tindersticks

(c) Pfoff

weder weiß ich um das verhältnis von stuart staples zu lee hazlewood noch ist mir bekannt, ob sich die beiden überhaupt persönlich gekannt haben. dass der walrossbart eine zumindest optische referenz nahe legt, hat die pophistoriker gleich mutmaßen lassen, dass der einfluss vom mann aus oklahoma auf die tindersticks gar nicht überschätzt werden kann. das wag‘ ich nicht zu beurteilen – würd‘ allerdings anmerken, dass hazlewoods zugang zur ballade – meines erachtens – ein ungleich zynischerer ist, verglichen zur getragenen, mitunter schwelglerischen melancholie staples‘. da wäre dann als referenzpunkt wohl leonard cohen besser geeignet – aber wahrscheinlich ist das eine recht akademische debatte. wie auch immer – wie schon 2008 setzten die tindersticks auf ein david-lynch-vorhang-setting, das ihrer performance etwas barmäßig zeitloses verleiht – und also denkbar gut mit ihren rhythmen harmoniert. auch wenn mit beinahe jedem album andere zugänge ausprobiert werden, so bleibt das zentrum unverändert: es geht ums gewicht des herzens und die unmöglichkeit dieser schwere zu entgehen. ob uptempo oder downtempo, mit soul versetzt oder an die 80er gemahnendes saxophon – im zusammenspiel mit staples‘ bariton ergibt sich eine stimmung jenseits jeglicher  zeitgeistigkeit, der das akzent optisch einen sehr reizvollen rahmen gab, allerdings – soundtechnisch nur sehr schlecht nach kam.

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gestatten: queen of rockabilly, wanda jackson

zwar hatte noch niemand einen namen für diese musik, nichtsdestotrotz wurde sie erfunden, in den späten 50ern und anfang der 60er – und eine der einzigen proponentinnen, wenn nicht gar die einzige, war wanda jackson. eine frau mit einer stimme, der trotz 73-jährigen einsatzes noch immer eine gefährlichkeit inne wohnt, die einer amy winehouse um genau gar nichts nachsteht – wie donnerstag abends im rundherum bürgerlichen theater akzent zu erfahren war.

nach dem bemühten und deshalb durchaus auch mühsamen versuch eines wiener boogie-pianisten namens michael pewny die stimmung aufzuheizen (so nannte er das), begab sich jacksons begleitband – die münchner chris aron band – auf die bühne, deren hauptinteresse wohl recht unmissverständlich darin lag, ihren aktuellen tonträger zu vermarkten. was an sich ja nicht verwerflich ist, aber irgendwie nach dem gefühlten 100sten verweis, dass auch dieser song auf der CD sei, an originalität verliert…

chris aron band, theater akzent 2011

und dann kam sie: the queen of rockabilly – erzählte kleine geschichten aus ihrem bewegten, langen leben, bedankte sich bei producern, labels, verlegern und: sang – bis ihr die füße anschwollen und sie die schuhe wechseln musste. vom rattenscharfen shakin‘ all over (wie samir köck formuliert) über die alten hits fujiyama mama und funnel of love, ein kleines elvis-medley und auszüge aus dem neuen von jack white produzierten album the party ain’t over führte wanda jackson souverän durch ihr oeuvre – auch einen deutschsprachigen hit gab sie zum besten – ich muss gestehen, ich verstand nicht das allergeringste… anyway, es war ein rundherum gelungener abend, wir fühlten uns durchaus wohl inmitten der generation 65+, durchsetzt von ein paar musikjournalistInnen und rockabillies – und ein besonders netter herr erklärte uns dann noch beim rausgehen: gut, dass sie beide da waren, sie haben den altersschnitt mit sicherheit um 10 jahre gesenkt. wofür auch immer es gut war – es war ein vergnügen…

wanda jackson, theater akzent 2011

wanda jackson am 17.2. im theater akzent

treff ich den lieben herrn klöpfer ganz zufällig und er erzählt mir ganz euphorisch von der neuen platte wanda jacksons – produziert von jack white. ich, net deppert, mach mir so einen mentalen knopf ins hirn – und – da schau her – da guck ich den virtuellen standard durch, gerade eben, und stolper übers fluchsche gemoser betreffend die überproduziertheit von der jackson-platte – bei gleichzeitigem verweis drauf, dass sie live sicher straighter sein wird – was in bälde auch in wien zu überprüfen sein wird. da fall ich gleich aus allen wolken und bestell karten für mich und die gräfin – mach den mentalen knopf auf und sag auch schnell noch dem klöpfer bescheid: weil – das wird ganz bestimmt spitzenklasse!