It is better to burn out than it is to rust…

…und heute Abend werde ich brennen!

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Nine Inch Nails – Bericht eines Unbeteiligten

Ich habe ja im Grunde keine Ahnung, von Nine Inch Nails, Trent Reznor, Industrial. Nichtsdestotrotz verschlug es mich aufs Konzert in der Wiener Stadthalle.

Ein brütend heißer Sommerabend, Unmengen schwarz gewandeter Menschen, Tattoos und Piercings, bleiche Hauttöne und viel Kajal. Reznor entert samt Keyboarder und Gitarrist Schlag Neun die Bühne, hinter ihm eine Art digitaler Vorhang, digitale Beats, Reznor befragt sich selbst nach dem Seins-Status: Me, I’m not. Weil bloß Kopie. Das hat schon Witz. Ist allerdings in seiner Ausformulierung komplett witzlos. Nein, Witz ist Reznors Sache nicht. Ironie? Auch nicht. Folgerichtig fällt der Vorhang und lässt den Blick auf den wild berserkenden Drummer fallen. Nun haben wir es mit knochenhartem Metal zu tun. Kollektiv wird Head-gebangt. Ich bin beeindruckt. Wir nicken uns in den Untergang. Nach dem Geknüppel folgt Gefrickel. Der Vorhang fällt, Visuals werden projiziert, die auch ins Kraftwerk-Set im Burgtheater gepasst hätten.

NIN (c) Eva Reschreiter

NIN (c) Eva Reschreiter

Und dann schlussendlich, als allerletzte Zugabe, der Song, den sogar ich mitsingen konnte – Hurt – wobei mir das Johnny Cash Cover nach wie vor besser gefällt…

koinzidenzen: alte männer

willie nelson, 20/6/10, wr. stadthalle

willie was here – eine erscheinung. nicht umsonst glaubt man sein haupt von einem heiligenschein umrahmt. unwahrscheinlich – der 1933 in abbott, texas, geborene wühlte sich unverdrossen und mit glasklarer stimme durch sein unvergleichliches oeuvre, improvisierte auf seiner akkustikgitarre jazzstrukturen, dass dem österreichischen möchtegern-hilly-billytum der kalte schweiß unter den lederstetsons ausbrach, einzig der mundharmonikaspieler seiner familiären begleitband war im stande der komplexheit der aufgebrochenen songstrukturen zu folgen und parierte mit sauberen solis… wohingegen der mann am beserlschlagzeug stur weiter kehrte, als gäb’s kein morgen. wie auch immer – die erscheinung fand nach rund zwei stunden sein ende mit: i saw the light… gänsehaut.

und dann war da noch: al green! der reverend zeigte dem staatsopernpublikum im rahmen des jazzfests wien – wieder einmal muss die wichtigkeit dieser konzertreihe hervor gestrichen werden – wie sexy glauben sein kann – was angesichts der vorkommnisse in der katholischen kirche durchaus wohltuend sein kann. wenn man sich die verbissenen gesichter der hiesigen geistlichkeit anguckt und dann in das breit lächelnde gesicht al greens schaut, der singend predigt , der mit seiner 14-köpfigen begleitband (wahnsinnig abgebrüht und hochprofessionell!) souverän durch seine welthits pflügt, langstielige rote rosen an die damen verteilt und immer wieder sein credo beteuert: i love you – so wie er die ganze welt zu umarmen gedenkt, womöglich verschluckt hat, was einem beim anblick des kugelbauchs durchaus in den kopf kommen könnt…

zum andenken an meinen dad, einem alten mann, den ich sehr geliebt hab, und der eben zwischen diesen beiden konzerten den letzten rehbock auf dieser welt gesehen hat…

Johnny Cash: We’ll Meet Again (m4a)
Al Green: I’m So Lonesome I Could Cry (m4a)
Antony And The Johnsons: Hope There’s Someone (mp3)

willie…

nelson – einer der großartigsten songschreiber und interpreten der mittlerweile schwer in die jahre gekommenen countrylegenden – wird samt family die stadthalle beehren. da zittern mir jetzt bereits die  knie…

willie nelson 2009

wilie nelson, dem mann haben wir songs zu verdanken, wie night life und on the road again, er war das zentrum der outlaw bewegung, er war mitbegründer der highwaymen (zusammen mit kris kristofferson, johnny cash und waylon jennings),  er heiratete eine cherokee und pflegte zeitlebens ein recht entspanntes verhältnis zu illegalen substanzen, setzte sich über tabus – wie etwa schwule cowboys – souverän hinweg und gilt als könig des duetts…

weshalb ich vor hab, bis zum konzert hier einige songs von willie zu posten, ein bissl was drüber zu schreiben, so quasi als einführung ins nelsonsche oeuvre für interessierte.

der erste song ist ist einer aus der reihe duett: Mamas‘ don’t let your babies grow up to be cowboys
willie spielte ihn zuerst mit waylon jennings ein (1978, waylon&willie), geschrieben wurde er von ed und patsy bruce. ein perfekter country-song: quasi hymnisch die lebensweise von cowboys als außerhalb des bürgerlich familialen (doctors & lawyers…) verteidigend: they’re just different! tja, adoleszente jugendliche wollen das natürlich auch sein, anders… weshalb sich mir dieser song schon recht früh erschloss… und wem sonst sollte die aufgabe zuerkannt werden, die buben vor diesem bösen schicksal zu bewahren – Mamas‘ don’t let your babies grow up to be cowboys (m4a)