koinzidenzen: alte männer

willie nelson, 20/6/10, wr. stadthalle

willie was here – eine erscheinung. nicht umsonst glaubt man sein haupt von einem heiligenschein umrahmt. unwahrscheinlich – der 1933 in abbott, texas, geborene wühlte sich unverdrossen und mit glasklarer stimme durch sein unvergleichliches oeuvre, improvisierte auf seiner akkustikgitarre jazzstrukturen, dass dem österreichischen möchtegern-hilly-billytum der kalte schweiß unter den lederstetsons ausbrach, einzig der mundharmonikaspieler seiner familiären begleitband war im stande der komplexheit der aufgebrochenen songstrukturen zu folgen und parierte mit sauberen solis… wohingegen der mann am beserlschlagzeug stur weiter kehrte, als gäb’s kein morgen. wie auch immer – die erscheinung fand nach rund zwei stunden sein ende mit: i saw the light… gänsehaut.

und dann war da noch: al green! der reverend zeigte dem staatsopernpublikum im rahmen des jazzfests wien – wieder einmal muss die wichtigkeit dieser konzertreihe hervor gestrichen werden – wie sexy glauben sein kann – was angesichts der vorkommnisse in der katholischen kirche durchaus wohltuend sein kann. wenn man sich die verbissenen gesichter der hiesigen geistlichkeit anguckt und dann in das breit lächelnde gesicht al greens schaut, der singend predigt , der mit seiner 14-köpfigen begleitband (wahnsinnig abgebrüht und hochprofessionell!) souverän durch seine welthits pflügt, langstielige rote rosen an die damen verteilt und immer wieder sein credo beteuert: i love you – so wie er die ganze welt zu umarmen gedenkt, womöglich verschluckt hat, was einem beim anblick des kugelbauchs durchaus in den kopf kommen könnt…

zum andenken an meinen dad, einem alten mann, den ich sehr geliebt hab, und der eben zwischen diesen beiden konzerten den letzten rehbock auf dieser welt gesehen hat…

Johnny Cash: We’ll Meet Again (m4a)
Al Green: I’m So Lonesome I Could Cry (m4a)
Antony And The Johnsons: Hope There’s Someone (mp3)

gigantisch

giant sand spielt heute im rahmen des 10 jahres-fests vom haus der musik ein konzert in wien! ganz große empfehlung… anbei die nummer, die mich seinerzeit reinkippen ließ und schwer mitverantwortlich für meine country vorliebe ist.

giant sand: king of the road (m4a)

thematisch unmittelbar anschließend – einer der wohl bekanntesten willie-songs ever – zum mitschunkeln und: glücklich sein! übrigens: schon vernommen – willie hat sich die haare schneiden lassen… unpackbar…

Aydelotte, Pearl/AP

willie nelson: on the road again (mp3)

willies neues album…

willie nelson, country music

country music ist seit 20. april zu kriegen – und, wie gut informierte kreise berichten, arbeitet sich willie dabei durchs songbook klassischer americana. aufgenommen in nashville, produziert von t bone burnett, gibt es drauf einen neuen song von willie: man with the blues. ansonsten viele tlw. sehr populäre bluegrass- und folksongs.

recht klassisch interpretiert auch matthew houck willies oeuvre auf dem formidablen willie-cover album von phosphorescent to willie (2009) – ganz große empfehlung…

Phosphorescent: I Gotta Get Drunk (mp3)

the blackeyed susans

wiederholt werden muss ganz unbedingt charlie fluchs konzertempfehlung für die ganz herzzerreißenden blackeyed susans – des montag abends werden sie kein herz unberührt lassen, wenn sie die fluc-wanne schäumen. fluch schreibt von „herzensbrecher(n) mit stil“ – und wer das nicht glauben will, der überzeuge sich selbst:

The Blackeyed Susans: Summer Kisses, Winter Tears (m4a)

dass good ol‘ willie im genre herzschmerz ebenfalls kein unbedarfter ist, bräuchte wahrscheinlich keine extra-erwähnung – trotzdem ein track, der da ganz hinterfotzig klar macht, dass es nur eine/n geben kann auf dieser welt…

Willie Nelson: Are You Sure (mp3)

willie was an outlaw…

und – so die legende – als willie, waylon und die anderen der nashville-szene eine lange nase drehten und mit wanted! the outlaws country neu erfanden, mitte der 70er also, da erblickte willie heath neal das licht der welt, am rücksitz eines polizeiwagens… nach irrwegen durch diverse musikgenres ist der mann schließlich bei seinem sound angekommen – und – wie das schicksal so spielt, das ist furztrockener outlaw-country… sehr schön!

willie heath neal

Willie Heath Neal: Broken Hearted Beauty Queen (mp3)
Willie Heath Neal: Warm Whiskey (mp3)

einer der populärsten & erfolgreichsten songs von willie nelsons outlaw zeit war und ist „blue eyes crying in the rain“ – der wiederum auch viele cover-versionen erfuhr – anbei die live-version von elliott smith…

Elliott Smith: Blue Eyes Crying In The Rain (mp3)

willie…

nelson – einer der großartigsten songschreiber und interpreten der mittlerweile schwer in die jahre gekommenen countrylegenden – wird samt family die stadthalle beehren. da zittern mir jetzt bereits die  knie…

willie nelson 2009

wilie nelson, dem mann haben wir songs zu verdanken, wie night life und on the road again, er war das zentrum der outlaw bewegung, er war mitbegründer der highwaymen (zusammen mit kris kristofferson, johnny cash und waylon jennings),  er heiratete eine cherokee und pflegte zeitlebens ein recht entspanntes verhältnis zu illegalen substanzen, setzte sich über tabus – wie etwa schwule cowboys – souverän hinweg und gilt als könig des duetts…

weshalb ich vor hab, bis zum konzert hier einige songs von willie zu posten, ein bissl was drüber zu schreiben, so quasi als einführung ins nelsonsche oeuvre für interessierte.

der erste song ist ist einer aus der reihe duett: Mamas‘ don’t let your babies grow up to be cowboys
willie spielte ihn zuerst mit waylon jennings ein (1978, waylon&willie), geschrieben wurde er von ed und patsy bruce. ein perfekter country-song: quasi hymnisch die lebensweise von cowboys als außerhalb des bürgerlich familialen (doctors & lawyers…) verteidigend: they’re just different! tja, adoleszente jugendliche wollen das natürlich auch sein, anders… weshalb sich mir dieser song schon recht früh erschloss… und wem sonst sollte die aufgabe zuerkannt werden, die buben vor diesem bösen schicksal zu bewahren – Mamas‘ don’t let your babies grow up to be cowboys (m4a)